Ursulas Leben

Ursula hat in den 60ern eine Kindheit in der sie einerseits behütet und beschützt wird, andererseits das typische Dasein einer Tochter erlebt. Ein Bruder wächst früh in die Rolle des Mannes hinein. Er darf mit seinen Kameraden spielen, später Abitur machen und den väterlichen Betrieb übernehmen. Ursula hat der Mutter bei der Wäsche, beim Putzen, Kochen und Backen zu helfen. „Frauen leben für die Familie und sorgen für den Haushalt" hört sie oft. Dennoch wird sie Bankkauffrau und ist froh sich dort zu verwirklichen. Eigene Kinder bringen sie jedoch schnell in die Familienrolle zurück. Ursula und ihr Mann, eigentlich alle Beteiligten leben nun das, was sie als normale Rollen gelernt haben. Doch irgendwann wächst die Sehnsucht nach dem was sie kurz kennen lernen durfte, Selbstfindung und Verwirklichung. Die Widerstände in der Familie, im Betrieb und der Gesellschaft sind jedoch nicht zu übersehen. Der Partner versteht es nicht. Ursula ist doch Mutter, Frau und für die Familie da. Die Eltern sehen das genauso und die Kinder schreien nach Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Die Kollegen haben Angst, dass die Rückkehrerin ihnen die Stelle wegnimmt. Freunde befürchten, dass Ursula keine Zeit mehr für sie hat. Und so beginnt ein verborgener Kampf. Ursulas Bedürfnisse zeigen wohin sie will, die äußeren Widerstände jedoch die Begrenzung. So lässt sie sich auf jeden Kompromiss ein der ihr geboten wird. Sie zerreißt sich um allen gerecht zu werden. Sechzehn Stunden am Tag läuft sie auf Hochtouren, erste Warnsignale wie Magendrücken, der Klos im Hals, Rückenbeschwerden, Migräneanfälle und irgendwann die Gallenkoliken zeigen ein Krankheitsbild das sie für Hausarzt und Krankenhaus zum bekannten Gast werden lässt. Alles ist gut und leicht mit Medikamenten zu versorgen. Der Magen ist ruhig wenn sie einen Säurehemmer nimmt. Monatelang hält sie nun durch. Doch dann meldet sich der Klos im Hals. „Ihre Schilddrüse muss dringend raus" sagt der Hausarzt. O.K denkt Ursula, dann kann ich wenigstens noch mal durchschnaufen. Die Ruhe wird mir gut tun. Und wieder ist einige Zeit Ruhe, Ursula macht weiter und findet sich schnell im alten Trott wieder.
„Warte, sagt die Seele, jetzt stelle ich sie ruhig, sie hört mir nicht zu". So landet Ursula mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus. Für den Neurochirurgen ist klar, dass die Bürotätigkeit diesen Vorfall an der Halswirbelsäule begünstigt hat. Für alle ist dies einleuchtend. Die Familie denkt sich, dass es Ursula zuhause eh besser hätte und ihre Berufstätigkeit ihr nicht gut tut. Die Aussage eines Therapeuten, dass sie sich etwas mehr um sich kümmern – und auf ihre Seele hören soll, empfindet sie als anmaßend. „Unverschämter Kerl, was weiß der schon…", sagt sie einer Freundin. Genesen steigt sie nun zur Zufriedenheit aller wieder in den alten Trott ein. Der Magen piesackt dann und wann, der Rücken ist auch nicht beschwerdefrei, so denkt sie manchmal an den „unverschämten" Therapeuten. Sie grübelt viel und plötzlich wird sie von Migräneanfällen geplagt. Manchmal ist sie tagelang außer Gefecht gesetzt. Familie und Kollegen finden das nicht lustig. Der Druck wächst. Die Bemerkungen in ihrem Umfeld nehmen zu. Ursula spürt wie sie immer mehr Wut entwickelt. Wieso reden alle über sie, warum kann niemand akzeptieren, dass sie sich nicht gut fühlt? Vor dem Abendessen fragt Ursulas Mann warum sie denn in letzter Zeit so häufig unzufrieden und gereizt sei. Den Wutausbruch kann sie gerade noch zurückhalten. Bis zum Abendessen hat sie sich gefangen. Reibekuchen von Ursula sind immer vorzüglich, alle essen und sind zufrieden. Doch die kommende Nacht wird zum Tag, denn Ursula hat unerträgliche Bauchschmerzen. Der Notarzt entdeckt schnell die Ursache: die Galle. Der Chirurg meint, das sei für eine Frau in Ursulas Alter doch völlig normal. Und so ist das Ganze zwar unangenehm, doch für Ursula eine weitere willkommene Pause.
Just in diese Pause fällt eine Veranstaltung zu der Manuela, Ursulas beste Freundin sie mitschleppt. „Die Ganzheitliche Gesundheitsmesse ist super interessant", meint Manuela. „Da sind zwar einige durchgeknallte Leute, aber es ist interessant, du wirst sehen."
Für Ursula ist hier tatsächlich vieles sehr merkwürdig. Es ähnelt ein bisschen einem Jahrmarkt mit Hexen und Wahrsagern. Manche legen Hände auf und erzählen etwas von Energiefluss. Andere legen Karten und behaupten etwas über den Menschen zu wissen. Wieder andere behaupten, dass die bunten Steinchen schwingen und helfen. „Das ist doch schon merkwürdig, findest du nicht?" sagt sie zu Manuela. Plötzlich sitzt sie bei jemandem der sie nach ihren Geburtsdaten fragt und merkwürdige Karten auslegt. „Gute Frau", hört Ursula diese Dame sagen. „Sie haben sich allerlei Belastung aufgeladen. Ich sehe, dass Ihr Körper dem nicht standhält. Ihr Rücken, Ihre Galle, der Magen und auch Ihr Kopf machen Ihnen ganz schön Probleme. Ihre Geburtsdaten zeigen, dass Ihr Kopf bestimmend ist, Sie Ihr Gefühl unterdrücken. Sie versuchen es allen Recht zu machen und stellen dabei Ihr eigenes Wohl nach hinten. Für die Zukunft hängt vieles davon ab, ob Sie endlich das tun was in Ihrem Inneren wartet. Das Erwachen, das Aufrichten und für sich selbst kämpfen."
Als Ursula zuhause ankommt ist sie völlig verwirrt. „Nun, bei einem Horoskop treffen sie ja auch zufällig ein paar Wahrheiten. Aber – das passte ja alles. Und es macht mich so nachdenklich, es berührt mich so…"

Ursulas Leben beginnt sich zu verändern.

Ach, das hättest du sein können? Oder jemand den du kennst? Ja, so ist das Leben.

Und wann verändert es sich? Bei meinen Vorträgen sage ich auf diese Frage: „Es beginnt, wenn du selbst ein Signal gibst. Wenn du feststellst oder fühlst, dass es so wie es ist, nicht bleiben kann oder soll. Dann reichen 2 Worte – ich will!"

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